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Blickpunkt

 
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Uetersener Erklärung zur „Kulturellen Bildung“
CEK sieht kulturelle Bildung der nachwachsenden Generation gefährdet
 
  
Der Chorverband in der Evangelischen Kirche in Deutschland (CEK) als Dachverband der landeskirchlichen und freien evangelischen Chorverbände und Chorwerke und damit als Repräsentant von über 10.000 Chören sieht – im Schulterschluss mit dem katholischen Allgemeinen Cäcilien-Verband für Deutschland – die kulturelle Bildung in Deutschland zunehmend gefährdet. Dies gilt vor allem für die kulturelle Bildung der nachwachsenden Generation.
 
Der CEK fordert die konsequente Einhaltung des Menschenrechts auf kulturelle Bildung (UNESCO-Konvention). Der CEK fordert von allen Bildungsträgern, den nicht kirchlichen wie den kirchlichen
 
● vorschulische musikalische Bildung in Kindergärten (Qualifizierung und Weiterbildung von ErzieherInnen, Einrichtung von Musikgruppen) zu gewährleisten,
● flächendeckend für Musikunterricht an Grundschulen zu sorgen,
● für einen regelmäßigen und qualifizierten Musikunterricht anweiterführenden Schulen zu sorgen und Unterrichtspläne soeinzurichten, dass Musikunterricht nicht nur in den Randstunden stattfindet,
● qualifizierten KirchenmusikerInnen die Mitwirkung an der Vermittlung musikalischer Bildung innerhalb des schulischen Kontextes zu ermöglichen und dafür Anstellungsformen zu entwickeln.
 
 
Appell an Kultusminister und an die Länder
 
Die Änderungen der Schulstruktur erschweren es den Kindern und Jugendlichen, an außerschulischen Lernorten musikalische Aktivitäten wahrzunehmen. Dies führt zu einer existenziellen Gefährdung und zu einem rapiden Abbau der deutschen Kulturlandschaft, die durch kirchliche Kinder- und Jugendchöre sowie durch haupt- und nebenberufliche KirchenmusikerInnen in umfangreicher Weise geprägt wird (siehe dazu den Bericht der Enquetekommission des Deutschen Bundestages zur musikalischen Struktur in Deutschland von 2009).
 
Der CEK fordert die Kultusministerien und die Kultusministerkonferenz nachdrücklich auf
 
● in allenSchulformen den Musikunterricht flächendeckend zu sichern,
● Eltern sich für Grundschulen entscheiden lassen zu können, die nicht in der gebundenen Ganztagsschule organisiert sind, damit ihren Kindern Zugänge zur wertvollen musikalischen Bildung an außerschulischen Lernorten ermöglicht werden,
● die Curricula deutschlandweit so zu überarbeiten, dass in der derzeitigen Schulstruktur (Ganztagsschule, G8), besonders an den Nachmittagen, z.B.durch einen freien Nachmittag, mehr integrative Kooperationen mit Bildungsträgern vor Ort gestaltet werden können.
 
 
Appell an die Landeskirchen
 
Die musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen ist eine Kernaufgabe kirchlichen Handelns. Sie ermöglicht die klingende Weitergabe des Evangeliums an die nächste Generation. Singen und Musizieren öffnen den jungen Menschen einen emotionalen Zugang zum Glauben, stärken sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und lassen sie in die Gemeinde hineinwachsen.
 
Der CEK fordert von den leitenden Personen und Gremien in Gemeinden, Kirchenkreisen und Landeskirchen
 
● qualifizierte Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker zur Leitung von Kinder- und Jugendchören und -musikgruppen anzustellen,
● die dafür benötigten finanziellen Mittel einzuplanen.
 
 
Appell an den Deutschen Musikrat
 
Der CEK fordert den Deutschen Musikrat auf, sich des Themas „Kulturelle Bildung und kulturelle Teilhabe“ stärker als bislang anzunehmen. Der CEK fordert
 
● konkrete Maßnahmen zur politischen Umsetzung der Ziele zu ergreifen (z.B. den Diskurs mit der Kultusministerkonferenz),
● eine Entwicklung von Strategiepapieren mit einer Ausführung konstruktiver Maßnahmen.
 
 
 
Uetersen, 12.Juni 2012